E-Check für alte Elektroanlagen im Wohnhaus: So sichern Sie Ihre Wohnung vor Brandgefahr

E-Check für alte Elektroanlagen im Wohnhaus: So sichern Sie Ihre Wohnung vor Brandgefahr
Bauen und Renovieren Lynn Roberts 7 Jan 2026 0 Kommentare

Wenn Sie in einem Haus wohnen, das älter als 30 Jahre ist, dann könnte Ihre Elektroanlage ein verborgenes Risiko bergen. Die Steckdosen funktionieren, das Licht geht an - aber das heißt nicht, dass alles sicher ist. Jedes Jahr entstehen in Deutschland über 20.000 Wohnungsbrände, und mehr als 60 % davon haben ihre Ursache in defekten elektrischen Anlagen. Besonders betroffen sind Gebäude, die vor 1990 gebaut wurden. Hier fehlen oft moderne Sicherheitskomponenten, die heute als selbstverständlich gelten. Der E-Check ist die zuverlässigste Methode, um diese Risiken aufzudecken - und zwar bevor es zu spät ist.

Was genau ist ein E-Check?

Der E-Check ist keine einfache Sichtprüfung. Es handelt sich um eine normgerechte, technische Untersuchung Ihrer gesamten Elektroinstallation, die nach den VDE-Vorschriften (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) durchgeführt wird. Ursprünglich für gewerbliche Betriebe entwickelt, gilt er heute auch als Standard für private Haushalte. Ein zertifizierter Elektriker kommt mit speziellen Messgeräten, prüft Kabel, Schaltungen, Erdungen und Schutzschalter - und dokumentiert alles genau. Das Ergebnis ist ein offizielles Prüfprotokoll, das nicht nur Ihre Sicherheit belegt, sondern auch im Schadensfall vor Versicherungen und Gerichten als Beweis zählt.

Warum ist der E-Check besonders wichtig für alte Häuser?

Ein Haus aus den 1970er Jahren hat eine andere Elektroanlage als ein Neubau. Damals wurden Kabel oft ohne Erdung verlegt, Steckdosen hatten nur zwei Kontakte, und FI-Schutzschalter (Fehlerstromschutzschalter) waren eine Seltenheit. Heute wissen wir: Ohne FI-Schutzschalter kann ein leichter Stromschlag tödlich sein. Eine defekte Erdung kann zu Überhitzung und Brand führen. Eine Studie der Fachzeitschrift Elektropraxis aus dem Jahr 2023 zeigt: In 78,5 % der alten Wohnungen, die älter als 30 Jahre sind, wurden kritische Mängel gefunden. Die häufigsten Probleme:

  • Mangelnde oder fehlende FI-Schutzschalter (63,2 % der Fälle)
  • Veraltete Leitungsschutzschalter (51,7 %)
  • Defekte oder fehlende Erdungsleitungen (44,3 %)

Diese Mängel sind nicht immer sichtbar. Ein Kabel kann innen gebrochen sein, die Isolierung ist porös - aber von außen sieht alles noch in Ordnung aus. Nur mit Messgeräten lässt sich das erkennen. Ein bloßer Blick in die Sicherungskasten reicht nicht.

Wie läuft ein E-Check ab?

Der Prozess ist einfach - und dauert meist nur ein bis zwei Stunden, je nach Größe der Wohnung. Der Elektriker führt vier Schritte durch:

  1. Besichtigung: Er schaut sich alle Steckdosen, Schalter, Lichtanlagen und den Hauptschaltkasten an - auch versteckte Kabelkanäle werden geprüft.
  2. Messungen: Mit speziellen Geräten wird der Isolationswiderstand gemessen, die Schleifenimpedanz an Steckdosen überprüft und die Reaktionszeit der FI-Schutzschalter getestet.
  3. Funktionsprüfung: Jeder FI-Schalter wird mit der Testtaste ausgelöst - das ist der einfachste Test, den Sie auch selbst machen können. Aber nur der Fachmann kann prüfen, ob er innerhalb von 30 Millisekunden abschaltet, wie es die Norm vorschreibt.
  4. Dokumentation: Am Ende erhalten Sie ein detailliertes Prüfprotokoll mit allen Messwerten, festgestellten Mängeln und Empfehlungen. Dieses Papier ist Ihr Nachweis - und Ihr Schutz.

Während der Prüfung wird die Stromversorgung kurzzeitig abgeschaltet. Das bedeutet: Waschmaschine, Kühlschrank und Spülmaschine laufen nicht. Planen Sie deshalb einen Tag ein, an dem Sie nicht auf diese Geräte angewiesen sind.

Was bringt der E-Check wirklich?

Der größte Vorteil ist nicht die Reparatur - sondern die Sicherheit. Ein E-Check rettet Leben. Ein Nutzer aus Berlin berichtete nach einer Prüfung seiner 40 Jahre alten Wohnung: „Fünf kritische Mängel gefunden - inklusive fehlendem FI-Schutzschalter. Das hat uns vor einem Brand gerettet.“

Ein weiterer Vorteil: Versicherungen erkennen den E-Check als Nachweis an. Wenn ein Brand entsteht und Sie keinen aktuellen Prüfbericht vorlegen können, kann die Versicherung die Leistung verweigern - besonders, wenn das Haus alt ist. Ein BGH-Urteil vom Juni 2022 klärte: Vermieter haften, wenn sie keine regelmäßigen Sicherheitsprüfungen durchführen lassen. Wer eine Wohnung vermietet, ist rechtlich verpflichtet, die Elektroanlage in einem sicheren Zustand zu halten - und ein E-Check ist der einfachste Weg, das zu beweisen.

Ein veralteter Sicherungskasten mit fehlenden Sicherungen, umgeben von einem bedrohlichen, psychedelischen Schatten.

Wie viel kostet ein E-Check?

Die Kosten variieren je nach Größe der Wohnung, Alter der Anlage und Region. In der Regel liegen sie zwischen 150 und 350 Euro. Das klingt viel - aber vergleichen Sie das mit den Folgekosten: Ein durch Elektroinstallation verursachter Brand kann Schäden von mehr als 500.000 Euro verursachen. Und das ist nur der direkte Schaden. Dazu kommen Mietverluste, Umbaukosten und mögliche Haftungsansprüche.

Einige Nutzer kritisieren, dass der E-Check manchmal nur kleine Mängel aufdeckt. Aber das ist kein Nachteil - das ist der Punkt. Ein E-Check ist präventiv. Er findet Probleme, bevor sie zum Problem werden. Wer nur 289 Euro ausgibt, um einen möglichen Brand zu verhindern, hat einen sehr guten Deal gemacht.

Was passiert, wenn Mängel gefunden werden?

Ein E-Check sagt nicht „Alles ist kaputt“ - er sagt: „Hier ist etwas, das Sie beachten sollten.“ Die meisten Mängel lassen sich kostengünstig beheben. Ein fehlender FI-Schutzschalter kostet inklusive Einbau oft weniger als 200 Euro. Eine defekte Erdung kann mit einem zusätzlichen Leiter behoben werden. Manchmal ist aber eine größere Modernisierung nötig - etwa wenn die gesamte Leitungsverlegung veraltet ist. In solchen Fällen empfiehlt der Elektriker eine Sanierung, aber er verpflichtet Sie nicht dazu. Der E-Check ist kein Verkaufsgespräch - er ist eine Risikoanalyse.

Prof. Dr. Markus Richter von der TU München warnt: „Der E-Check allein reicht nicht, wenn die Anlage aus den 1950er Jahren stammt. Dann ist eine komplette Neuanlage notwendig.“ Aber: Erst durch den E-Check wissen Sie, dass es so weit ist.

Wie wählen Sie den richtigen Elektriker?

Nicht jeder Elektriker darf einen E-Check durchführen. Nur Fachkräfte, die nach DGUV Vorschrift 3 zertifiziert sind, dürfen das Protokoll ausstellen. Fragen Sie also vorher: „Sind Sie nach DGUV V3 zugelassen?“ Und verlangen Sie das Prüfprotokoll - nicht nur eine Rechnung. Auf Google Reviews haben seriöse Anbieter durchschnittlich 4,7 von 5 Sternen. Suchen Sie nach Bewertungen, die explizit von der Dokumentation und der professionellen Beratung sprechen.

Vermeiden Sie Anbieter, die sofort eine teure Sanierung anbieten, ohne Messwerte vorzulegen. Ein seriöser E-Check ist transparent, dokumentiert und klar - nicht verkaufsoffen.

Eine Familie in einem sicheren Wohnzimmer, während alte gefährliche Leitungen durch moderne Kabel ersetzt werden.

Was ändert sich in Zukunft?

Der E-Check wird immer wichtiger. Laut Statistischem Bundesamt sind 38,2 % aller deutschen Wohngebäude älter als 40 Jahre - und bis 2030 wird dieser Anteil auf 45 % steigen. Die DGUV plant für 2024 eine Überarbeitung der Vorschrift, die die Prüfintervalle für Mietwohnungen präzisieren wird. Digitalisierung kommt dazu: Einige Anbieter nutzen jetzt Apps, um Messwerte sofort zu dokumentieren und dem Kunden per E-Mail zu senden. Das macht den Prozess schneller und nachvollziehbarer.

Verbraucherschützer mahnen jedoch: Die Kosten für nachfolgende Sanierungen müssen transparent sein. Ein E-Check ist kein Verkaufstrick - er ist ein Werkzeug zur Sicherheit. Und wenn Sie ihn richtig nutzen, wird er Ihnen Jahre lang Frieden geben.

Was tun, wenn Sie Mieter sind?

Sie wohnen in einer Mietwohnung? Dann ist Ihr Vermieter verpflichtet, die Elektroanlage in einem sicheren Zustand zu halten - das steht im BGB § 535. Sie können ihn schriftlich auffordern, einen E-Check durchführen zu lassen. Wenn er ablehnt, können Sie sich an die Mieterberatung wenden. Ein E-Check ist kein Luxus - er ist eine rechtliche Pflicht, wenn es um die Sicherheit der Mietsache geht.

Ist der E-Check gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, für private Hausbesitzer ist der E-Check keine gesetzliche Pflicht. Aber für Vermieter ist er eine rechtliche Notwendigkeit, um ihre Verkehrssicherungspflicht nach BGB § 535 zu erfüllen. Versicherungen verlangen ihn oft als Voraussetzung für den Schadensersatz. Wer ihn nicht durchführt, handelt auf eigene Gefahr.

Wie oft sollte ein E-Check durchgeführt werden?

Für private Haushalte empfehlen Experten einen E-Check alle 5 bis 8 Jahre. Bei Gebäuden älter als 30 Jahren oder bei häufigen technischen Problemen sollte er alle 3 bis 5 Jahre erfolgen. Vermieter sollten ihn mindestens alle 5 Jahre durchführen - viele große Wohnungsunternehmen haben ihn sogar auf 3-Jahres-Intervalle festgelegt.

Kann ich den E-Check selbst machen?

Nein. Nur zertifizierte Elektrofachkräfte mit DGUV-V3-Zulassung dürfen den offiziellen E-Check durchführen und das Prüfprotokoll ausstellen. Selbst wenn Sie ein Messgerät haben, fehlt Ihnen die rechtliche Befugnis und die fachliche Ausbildung, um die Ergebnisse korrekt zu bewerten und zu dokumentieren.

Was ist der Unterschied zwischen E-Check und Sichtprüfung?

Eine Sichtprüfung sieht nur, was man mit dem Auge erkennen kann - wie kaputte Steckdosen oder verrostete Klemmen. Der E-Check misst elektrische Werte, die unsichtbar sind: Isolationswiderstand, Erdungswiderstand, Reaktionszeit von FI-Schaltern. Nur so werden verborgene Gefahren wie innen gebrochene Kabel oder undichte Isolierungen entdeckt.

Bekomme ich einen Nachweis, wenn alles in Ordnung ist?

Ja. Der E-Check liefert immer ein Dokument - unabhängig davon, ob Mängel gefunden wurden oder nicht. Dieses Protokoll ist Ihr Nachweis, dass Ihre Anlage geprüft wurde. Es sollte dauerhaft aufbewahrt werden, etwa im Sicherungskasten oder in einer digitalen Cloud. Es ist Ihr Beweis für Versicherungen, Mieter oder zukünftige Käufer.

Was kommt als Nächstes?

Wenn Ihr E-Check positiv verlaufen ist - gut. Behalten Sie das Protokoll. Wenn Mängel gefunden wurden - handeln Sie. Setzen Sie sich mit dem Elektriker zusammen, lassen Sie sich die Kosten für die Reparaturen schriftlich nennen, und entscheiden Sie, was sofort nötig ist. Und wenn Sie noch keinen E-Check hatten? Dann machen Sie ihn jetzt. Denn Elektrizität ist unsichtbar - aber ihre Folgen sind nicht zu ignorieren.