Stellen Sie sich vor, ein Starkregen überflutet Ihren Keller. Das Wasser steht kniehoch, die Heizung ist kaputt, die Wände feucht, der Boden zerstört. Sie rufen die Versicherung - und hören: Elementarschadenversicherung nicht abgeschlossen. Keine Leistung. Plötzlich steht Ihnen eine Reparaturkosten von über 100.000 Euro gegenüber. Das ist kein Szenario aus einem Film. Das passiert jeden Sommer in Deutschland - und viele Hausbesitzer sind unvorbereitet.
Was genau ist eine Elementarschadenversicherung?
Die Elementarschadenversicherung ist keine Standardversicherung. Sie ergänzt die Wohngebäudeversicherung, die nur Schäden durch Brand, Blitz, Leitungswasser, Sturm oder Hagel abdeckt. Was fehlt? Extremwetterereignisse. Dazu gehören Hochwasser, Rückstau, Erdbeben, Erdrutsch, Schneedruck und Lawinen. Diese Schäden sind in der normalen Gebäudeversicherung ausgeschlossen - und das, obwohl sie immer häufiger vorkommen.
Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind nur 57 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Elementarschäden versichert. Das bedeutet: Fast jeder zweite Hausbesitzer zahlt aus eigener Tasche, wenn das Wasser kommt. Dabei hat sich die Anzahl extremer Wetterereignisse in den letzten 20 Jahren um 320 Prozent erhöht. Der Klimawandel ist kein abstraktes Problem - er trifft Ihre Immobilie.
Welche Schäden werden genau abgedeckt?
Nicht alles, was nach Naturkatastrophe klingt, ist versichert. Die Elementarschadenversicherung deckt sieben konkrete Gefahren ab:
- Überschwemmung und Rückstau: Wenn ein Fluss über die Ufer tritt oder Regenwasser nicht abfließen kann und in Ihren Keller läuft - das ist versichert. Wichtig: Auch wenn das Wasser durch defekte Kanalisation zurückfließt (Rückstau), zählt das als Elementarschaden.
- Erdbeben: Schäden an Wänden, Fundamenten oder Dachkonstruktionen durch Bodenbewegungen.
- Erdsenkung, Erdfall, Erdrutsch: Wenn der Boden unter Ihrem Haus absackt oder sich verschiebt, weil er durch Wasser aufgeweicht wurde.
- Schneedruck und Lawinen: Besonders in bergigen Regionen kann die Last von Schnee Dächer einstürzen lassen.
- Vulkanausbruch: Selten, aber versichert - auch Ascheregen, der Dächer beschädigt, zählt dazu.
Was nicht drin ist? Schäden durch Grundwasser, das nur langsam aufsteigt, ohne an die Oberfläche zu kommen. Und: Sturmfluten an der Küste fallen unter andere Versicherungsregelungen. Auch hier gilt: Lesen Sie die Versicherungsbedingungen genau. Nicht alle Anbieter definieren „Rückstau“ gleich.
Wie hoch ist die Selbstbeteiligung - und warum das entscheidend ist
Die Selbstbeteiligung ist der größte Fallstrick. Viele Versicherer bieten zwei Hauptmodelle an: Basis und Classic.
Beim Basis-Schutz zahlen Sie bei jedem Schaden 100.000 Euro selbst - egal, ob es ein kleiner Erdfall oder ein vollständiger Keller-Totalschaden ist. Bei einem Schaden von 500.000 Euro bleibt Ihnen also nur 400.000 Euro Erstattung. Das ist kein Schutz - das ist eine Risikoverlagerung.
Beim Classic-Schutz ist die Selbstbeteiligung deutlich niedriger: meist 500 Euro bei Hochwasser oder Rückstau. Bei Erdbeben liegt sie oft bei 3.000 bis 100.000 Euro - aber Sie können sie auf 10 % des Schadens reduzieren, max. 5.000 Euro. Das macht den Unterschied zwischen Überleben und Ruin.
Beispiel: Ein Haus in Baden-Württemberg erleidet einen Hochwasserschaden von 480.000 Euro. Bei Basis-Schutz: 380.000 Euro Eigenanteil. Bei Classic-Schutz: 479.500 Euro Erstattung. Wer spart, zahlt später viel mehr.
Wie viel kostet die Versicherung - und was beeinflusst den Preis?
Die jährliche Prämie liegt zwischen 0,50 und 2,50 Euro pro 1.000 Euro Versicherungssumme. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 300.000 Euro Versicherungssumme bedeutet das: 150 bis 750 Euro pro Jahr.
Was macht den Unterschied?
- Risikozone (ZÜRS): Deutschland ist in fünf Zonen eingeteilt. Zone 1 (geringes Risiko) kostet wenig. Zone 5 (höchstes Risiko) kostet bis zu 250 % mehr. Wer in Köln, Dresden oder Hamburg lebt, zahlt mehr als wer in der Lüneburger Heide wohnt.
- Bauweise: Massivbau ist günstiger als Holzrahmenbau. Keller sind ein Risiko - aber auch eine Chance: Wer wasserdichte Kellerfenster oder Rückstauklappen hat, spart bis zu 15 %.
- Versicherungssumme: Sie sollte dem Wiederbeschaffungswert entsprechen. Ein Einfamilienhaus kostet heute im Durchschnitt 250.000 bis 400.000 Euro zu ersetzen. Wer nur 150.000 Euro versichert, bekommt nur einen Teil der Reparaturkosten erstattet.
Ein Vergleich der Stiftung Warentest (11/2024) zeigt: Die günstigste Versicherung kostet 120 Euro pro Jahr - aber mit 100.000 Euro Selbstbeteiligung. Die sinnvolle Versicherung kostet 285 Euro - und sichert Sie wirkungsvoll ab.
Was viele vergessen: Rückstau ist der häufigste Schaden
68 Prozent aller Elementarschäden im Jahr 2024 waren Rückstauschäden. Und 41 Prozent der Betroffenen hatten gar keine Versicherung - weil sie dachten, ihr Standardvertrag würde das abdecken. Das ist ein gefährlicher Irrtum.
Die Versicherungsbedingungen müssen explizit „Rückstau durch Witterungsniederschläge“ enthalten. Nicht alle Anbieter formulieren das gleich. Einige schließen es aus, wenn das Abwassersystem überlastet ist - obwohl das genau das ist, was passiert, wenn es stundenlang regnet.
Checkliste: Prüfen Sie Ihren Versicherungsschein auf diese Wörter:
- „Rückstau“
- „Überschwemmung durch Starkregen“
- „Abwasserleitungen“
- „Kanalisation“
Wenn keines davon steht - dann ist Ihr Keller nicht geschützt. Selbst wenn Sie eine „komplette“ Wohngebäudeversicherung haben.
Was zahlt die Versicherung - und was nicht?
Wenn der Schaden eintritt, übernimmt die Elementarschadenversicherung:
- Reparatur der Bausubstanz (Wände, Fundamente, Dach)
- Wiederherstellung der Haustechnik (Heizung, Sanitär, Elektrik)
- Renovierung von Bodenbelägen, Tapeten, Türen
- Wiederbeschaffung von Einrichtungsgegenständen im Keller oder Erdgeschoss
- Kosten für eine Notunterkunft, wenn das Haus unbewohnbar ist
- Mietausfall bei vermieteten Wohnungen
- Abbau und Entsorgung von Schmutz, Schlamm, Schimmel
Was nicht drin ist: Schäden an Ihrem Auto, an Gartenteichen, an Poolanlagen oder an Möbeln, die im Obergeschoss standen - das ist Hausratversicherung. Und: Schäden durch schlechte Wartung - etwa ein defektes Rückstauventil - werden oft abgelehnt. Die Versicherung zahlt nicht für Fahrlässigkeit.
Was Sie jetzt tun sollten
1. Prüfen Sie Ihren aktuellen Versicherungsschein. Suchen Sie nach den Worten „Elementarschaden“ oder „Naturgefahren“. Wenn nichts dabei steht - haben Sie keine Deckung.
2. Bestimmen Sie Ihre Risikozone. Geben Sie Ihre Adresse bei der ZÜRS-Plattform des GDV ein. Sie finden sie online - oder fragen Sie Ihren Versicherer.
3. Wählen Sie den richtigen Tarif. Nehmen Sie den Classic-Schutz. Der Basis-Tarif ist ein falscher Spartrick. Bei einem Schaden von 200.000 Euro bleibt Ihnen bei Basis nur 100.000 Euro - das ist kein Schutz, das ist ein Risiko.
4. Installieren Sie Schutzmaßnahmen. Ein Rückstauventil kostet 500-1.500 Euro. Es senkt Ihre Prämie um bis zu 15 % - und rettet Ihren Keller. Ein wasserdichtes Kellerfenster oder eine höhere Geländerkante sind ebenfalls sinnvoll.
5. Überprüfen Sie die Versicherungssumme alle zwei Jahre. Bauten Sie um? Haben Sie die Heizung ersetzt? Die Versicherungssumme sollte dem aktuellen Wiederbeschaffungswert entsprechen. Sonst zahlen Sie bei einem Schaden selbst mit.
Die Zukunft: Was sich 2025-2026 ändert
Die Versicherungsbranche reagiert auf den Klimawandel. Ab Juli 2025 bietet die HUK Coburg die „KlimaPlus-Versicherung“ an - sie deckt auch Starkregen mit mehr als 50 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden ab. Das war vorher oft ausgeschlossen.
Bis Ende 2026 wird die ZÜRS-Zonierung neu berechnet. Viele Gebiete, die heute als „mittel“ gelten, werden auf „hoch“ hochgestuft. Das bedeutet: Prämien steigen. Wer jetzt abschließt, sichert sich die günstigen Tarife.
Und: Die Allianz und andere Anbieter haben Apps eingeführt, die mit Fotos und GPS Ihr Grundstück auf Risiken prüfen. Ein paar Minuten Eingabe - und Sie wissen, ob Sie versichert sein müssen.
Die Elementarschadenversicherung ist kein Luxus. Sie ist eine Notwendigkeit. In einer Zeit, in der Starkregen nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel ist, ist es kein Risiko, sie abzuschließen - es ist ein Risiko, sie nicht zu haben.
Kommentare
Max Summerfield Januar 27, 2026
Ich hab vor 3 Jahren meinen Keller überschwemmt und dachte auch, die normale Versicherung zahlt. War ein totaler Albtraum. 80.000 Euro Eigenanteil. Seitdem hab ich Classic-Schutz mit 500 Euro Selbstbeteiligung. Das Rückstauventil hat 1200 Euro gekostet, aber die Prämie sank um 18%. Wer jetzt noch spart, zahlt später mit dem Haus. Nichts ist teurer als eine falsche Sparmentalität bei Elementarschäden.
Und ja, die ZÜRS-Zone ist entscheidend. Meine Adresse in Köln ist Zone 4, bei meinem Schwager in der Eifel ist es Zone 2. Gleiches Haus, doppelter Preis. Aber das ist fair. Wer im Risikogebiet wohnt, muss mehr zahlen. Punkt.
Hanna Ferguson-Gardner Januar 29, 2026
Das ist klassische Angstmache. Klimawandel? Ja. Aber 320 Prozent mehr Extremwetter? Quelle? GDV. Versicherer. Wer profitiert? Die Versicherer. Die Selbstbeteiligung von 100.000 Euro ist absurd, aber sie existiert nicht, weil sie sinnvoll ist. Sie existiert, weil die Leute zu dumm sind, um zu prüfen. Ich hab meine Versicherung geprüft. Kein Rückstau. Kein Problem. Ich hab einen Keller, der trocken bleibt. Weil ich ihn nicht nutze. Und weil ich den Abfluss jedes Jahr reinige. Einfach. Logisch. Keine Versicherung nötig.
Philipp Baumann Januar 30, 2026
Hanna, du bist ein Paradebeispiel dafür, warum Deutschland in 10 Jahren keine Wohnimmobilien mehr hat. Du denkst, du bist clever, weil du deinen Keller als Lager nutzt und ihn nicht bewohnst. Aber wenn das Wasser kommt, ist es egal, ob du da wohnst oder nicht. Der Schaden ist am Haus. Nicht an deinem Gemüt. Und nein, eine jährliche Reinigung des Abflusses schützt nicht vor einem 100-jährigen Starkregen, wenn das gesamte Kanalsystem überlastet ist. Das ist keine Fahrlässigkeit, das ist Systemversagen. Dein Ansatz ist gefährlich. Du setzt nicht nur dein Eigentum, sondern auch deinen Nachbarn aufs Spiel. Wenn dein Keller voll läuft, läuft auch der von unten. Du bist kein Held. Du bist ein Risikofaktor. Und du verweigerst dich der Realität, weil du Angst hast, etwas zu zahlen. Das ist keine Vernunft. Das ist Selbstbetrug. Die Versicherung ist kein Luxus. Sie ist die letzte Sicherung, bevor du pleite bist. Und du willst sie nicht, weil du lieber den Kopf in den Sand steckst. Genau das macht diese Gesellschaft kaputt.