Ein feuchter Keller ist mehr als ein unangenehmer Geruch. Er kann Wände zerstören, Schimmel fördern und den Wert Ihres Hauses langfristig senken. Doch wie wissen Sie, ob es wirklich ein Problem mit der Wandfeuchte gibt - oder nur zu viel Luftfeuchtigkeit? Viele Hausbesitzer verlassen sich auf ein einfaches Hygrometer. Das ist ein Fehler. Denn Feuchtemessung im Keller ist kein Einheitsrezept. Die richtige Diagnose braucht zwei Werkzeuge: die CM-Methode und ein Hygrometer. Und nur wer beide versteht, kann sanieren - ohne zu viel Geld zu verschwenden.
Was ist die CM-Methode wirklich?
Die CM-Methode, auch Calciumcarbid-Methode genannt, ist kein teurer Trick für Profis. Sie ist die einzige normierte Methode, die Ihnen sagt, wie viel Wasser tatsächlich in Ihrem Beton oder Estrich steckt. Kein Gerücht. Keine Schätzung. Kein „scheint trocken zu sein“. Sondern ein Zahlenwert: Prozent Massefeuchte. Und zwar mit einer Genauigkeit von ±0,5 %. Das ist nicht zu unterschätzen.Wie funktioniert das? Sie entnehmen eine kleine Probe - etwa 5 Gramm - aus dem Kellerboden oder einer Wand. Diese Probe wird mit Calciumcarbid-Pulver in einem verschlossenen Behälter gemischt. Das Pulver reagiert mit dem Wasser im Baustoff: CaC₂ + 2H₂O → C₂H₂ + Ca(OH)₂. Dabei entsteht Acetylen-Gas. Der Druck, den das Gas erzeugt, wird gemessen. Und genau dieser Druck sagt Ihnen: Wie viel Wasser ist da? Ein Manometer, eine präzise Waage und ein bisschen Chemie. Kein High-Tech, aber extrem zuverlässig. Die Methode ist in der DIN 18128 geregelt und gilt als Goldstandard für Feuchtemessung in Beton und Estrich. Baugutachter nutzen sie, weil sie nicht irrt. Wenn die CM-Methode sagt: 2,8 % Feuchte, dann ist es 2,8 %. Nicht 2,5. Nicht 3,1. Genau 2,8.
Hygrometer: Was misst es wirklich?
Ein Hygrometer misst Luftfeuchtigkeit. Nicht Wandfeuchtigkeit. Nicht Bodenfeuchtigkeit. Nur die Luft. Und das ist ein riesiger Unterschied. Viele Hausbesitzer sehen einen Wert von 70 % auf ihrem Gerät und denken: „Mein Keller ist nass!“ Doch die Luftfeuchtigkeit kann hoch sein, während die Wände trocken bleiben. Warum? Weil Luftfeuchtigkeit von vielen Dingen abhängt: Heizung, Lüftung, Waschmaschine, Trockner, sogar Kochen. Ein Hygrometer zeigt Ihnen, wie feucht die Luft ist - aber nicht, ob die Baustoffe selbst nass sind.Moderne digitale Hygrometer wie der TFA Dostmann 30.1092.3 oder der Trotec BM31 sind präzise. Sie messen mit ±2 % Genauigkeit und können sogar Daten per Bluetooth auf Ihr Handy senden. Aber sie sind wie ein Thermometer für die Lufttemperatur: Sie sagen Ihnen, ob es kalt oder warm ist - aber nicht, ob das Fenster eisig ist. Ein Hygrometer ist ein hervorragendes Werkzeug, um zu sehen, ob Sie richtig lüften. Aber es ist völlig ungeeignet, um zu entscheiden, ob Sie den Keller sanieren müssen. Wenn Sie nur ein Hygrometer nutzen, laufen Sie Gefahr, eine Sanierung zu starten, die gar nicht nötig ist. Oder - noch schlimmer - eine echte Feuchtigkeitsquelle zu übersehen.
Warum kapazitive Messgeräte nicht reichen
Sie sehen in vielen Baumärkten Geräte, die „Feuchtemessung“ versprechen. Sie haben zwei Metallkontakte, die Sie an die Wand drücken. Oder sie sind berührungsfrei und scannen mit Ultraschall. Diese Geräte arbeiten mit kapazitiven Sensoren. Sie messen nicht die echte Wassermenge. Sie messen elektrische Felder. Und diese verändern sich nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Salzen, Metall, Dämmstoffen oder sogar Farbe.Ein Fall aus der Praxis: Ein Hausbesitzer in Köln nutzte ein GANN Hydromette, um seine Kellerwand zu prüfen. Das Gerät zeigte „trocken“ an. Er dachte, alles sei in Ordnung. Ein Monat später trat Schimmel an der Wand auf. Eine Bohrlochmessung mit der CM-Methode ergab: 8,3 % Feuchte. Die Wand war nass - aber die kapazitive Messung hatte nur die obersten 5 Millimeter erfasst. Tiefere Feuchtigkeit, die aus dem Erdreich aufstieg, blieb verborgen. Das ist kein Einzelfall. Laut einem Test von test.de (Oktober 2023) erhielten kapazitive Geräte die Note „befriedigend“ - nur weil sie Oberflächenfeuchtigkeit erkennen, nicht echte Baustofffeuchte. Die CM-Methode dagegen erhielt „sehr gut“.
Was kostet was - und lohnt sich das?
Ein einfaches Hygrometer kostet zwischen 25 und 150 Euro. Sie können es online bestellen, auspacken und sofort benutzen. Es ist praktisch. Es ist günstig. Und es ist völlig unzureichend, wenn es um Sanierungsentscheidungen geht.Die CM-Methode hingegen ist ein professionelles System. Ein Gerät wie der Protimeter Surveymaster mit CM-Option kostet zwischen 1.200 und 2.500 Euro. Dazu brauchen Sie Calciumcarbid-Pulver, eine Präzisionswaage (mit 0,001 g Genauigkeit), einen Druckbehälter und eine Schulung. Die Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) empfiehlt mindestens 8 Stunden Schulung. Es ist kein DIY-Gerät. Es ist ein Werkzeug für Fachleute. Aber es ist das einzige, das Ihnen verlässliche Daten liefert. Und das ist der entscheidende Punkt: Wenn Sie eine Sanierung planen, dann brauchen Sie keine Vermutungen. Sie brauchen Zahlen. Denn eine falsche Sanierung kostet 5.000 bis 20.000 Euro - und bringt oft nichts.
Die häufigsten Fehler - und wie Sie sie vermeiden
Wer die CM-Methode selbst versucht, macht oft drei Fehler. Erstens: Der Druckbehälter ist nicht dicht. Wenn Luft entweicht, wird der Messwert zu niedrig. Zweitens: Die Probe wird nicht genau gewogen. Selbst 0,1 Gramm zu viel oder zu wenig verfälscht das Ergebnis. Drittens: Das Calciumcarbid ist feucht. Es muss trocken und luftdicht gelagert werden. Eine Umfrage auf bauforum24.de (142 Kommentare) ergab: 55 % der Heimwerker hatten bei ersten Versuchen falsche Werte - nur wegen unsachgemäßer Handhabung.Hygrometer haben ihre eigenen Probleme. Sie kalibrieren sich mit der Zeit. Nach einem Jahr zeigen viele Geräte Abweichungen von mehr als 5 %. Einige reagieren empfindlich auf Temperatur. Bei unter 10 °C im Keller können sie bis zu 8 % falsch messen. Laut Stiftung Warentest (Oktober 2023) ist das bei Bluetooth-Geräten besonders häufig. Die Lösung? Kalibrieren. Mit Salzlösung. Ein Glas mit gesättigter Kochsalzlösung (75,3 % relative Luftfeuchtigkeit bei 20 °C) bringt Ihr Gerät auf den richtigen Wert. Einfach, billig, wirksam.
Was Experten sagen - und was Sie tun sollten
Dipl.-Ing. Thomas Müller vom Deutschen Schimmelpilzberatungsdienst sagt: „Die CM-Methode ist der Goldstandard.“ Dr. Hans-Peter Weber vom ifb Institut für Bauforschung ergänzt: „Sie arbeitet unabhängig von Materialzusammensetzungen.“ Und Prof. Dr. Angela Schmidt von der Hochschule München warnt: „Hygrometer allein sind ungeeignet, um aufsteigende Feuchtigkeit zu erkennen.“Was heißt das für Sie? Wenn Sie eine Feuchtigkeit im Keller vermuten, dann:
- Setzen Sie ein Hygrometer an einem Ort im Keller auf - nicht direkt an der Wand. Lassen Sie es 24 Stunden laufen. Notieren Sie die Werte.
- Wenn die Luftfeuchtigkeit über 70 % liegt, lüften Sie intensiv. Beobachten Sie, ob sie sinkt. Wenn nicht, liegt ein Problem vor.
- Jetzt holen Sie einen Fachmann. Oder nutzen Sie eine CM-Messung. Nehmen Sie mindestens drei Proben: an der Wand, im Boden, nahe der Decke. Lassen Sie sich die Werte schriftlich geben.
- Wenn die Feuchte über 2 % liegt, ist eine Sanierung nötig. Wenn sie unter 1,5 % liegt, ist die Luftfeuchtigkeit das Problem - nicht die Wand.
Die DIN 18128 sagt: Mindestens drei Proben pro Raum. Kein „eine Stelle reicht“. Kein „das sieht man doch“. Nur so finden Sie die echte Quelle. Und nur so vermeiden Sie teure Fehlmaßnahmen.
Die Zukunft: Kombinierte Systeme
Die Technik entwickelt sich. Im Januar 2023 erschien der Testo 635-2 - ein Gerät, das CM-Messung mit digitaler Bohrlochsonde kombiniert. Es misst die Feuchte in 10 cm Tiefe - ohne große Bohrung. Es ist präziser als die klassische CM-Methode. Es kostet über 3.000 Euro. Aber es zeigt, wohin die Reise geht: weg von einfachen Luftmessungen, hin zu echten Baustoffanalysen. Die CM-Methode bleibt der Standard. Aber sie wird nicht mehr nur mit Pulver und Manometer arbeiten. Sie wird mit Sensoren, Daten und KI verbunden sein.Hygrometer dagegen werden weiterhin nur die Luft messen. Sie haben ihre Berechtigung - als Ergänzung. Nicht als Ersatz. Wenn Sie die Luftfeuchtigkeit im Keller überwachen wollen, dann nutzen Sie ein Hygrometer. Wenn Sie wissen wollen, ob Ihre Wände nass sind, dann brauchen Sie die CM-Methode. Alles andere ist Glücksspiel - mit Ihrem Haus.
Kann ich die CM-Methode selbst machen?
Ja, aber nur mit der richtigen Ausrüstung und Kenntnissen. Sie brauchen einen CM-Druckbehälter, eine Präzisionswaage (0,001 g Genauigkeit), Calciumcarbid-Pulver und eine Schulung. Viele Heimwerker scheitern an unsachgemäßer Handhabung - etwa undichten Behältern oder falscher Wägung. Laut einer Umfrage auf bauforum24.de haben 55 % der Selbstversuche falsche Ergebnisse. Für eine sichere Diagnose ist ein Fachmann empfehlenswert.
Warum zeigt mein Hygrometer hohe Luftfeuchtigkeit, aber die Wand ist trocken?
Weil Luftfeuchtigkeit und Baustofffeuchte zwei verschiedene Dinge sind. Ein Hygrometer misst nur die Luft. Hohe Luftfeuchtigkeit kann durch schlechtes Lüften, Trockner, Kochen oder Waschmaschine entstehen - ohne dass die Wand nass ist. Wenn die CM-Methode die Wandfeuchte mit unter 1,5 % bestätigt, dann ist das Problem die Luft, nicht die Wand. Lüften Sie besser - sanieren Sie nicht.
Ist eine CM-Messung teuer?
Eine professionelle CM-Messung kostet zwischen 150 und 300 Euro pro Raum - je nach Umfang. Das ist mehr als ein Hygrometer, aber weniger als eine falsche Sanierung. Eine unsachgemäße Sanierung kann 5.000 bis 20.000 Euro kosten. Die CM-Messung ist eine Investition in die richtige Diagnose. Sie spart langfristig Geld und verhindert Schäden.
Muss ich die CM-Methode immer nutzen?
Nicht immer. Wenn Sie nur die Luftfeuchtigkeit überwachen wollen, reicht ein Hygrometer. Wenn Sie Schimmel an der Wand haben, aber keine Feuchtigkeitsquelle finden, oder wenn Sie vor einer Sanierung stehen, dann ist die CM-Methode unverzichtbar. Sie ist die einzige Methode, die Ihnen exakte Prozentwerte der Baustofffeuchte liefert - und damit die Grundlage für eine fundierte Entscheidung.
Wie oft sollte ich messen?
Einmal pro Jahr reicht für die meisten Häuser. Vor einer Sanierung oder nach einer Renovierung sollten Sie messen. Wenn Sie Schimmel bemerken, messen Sie sofort. Ein Hygrometer können Sie kontinuierlich überwachen - er zeigt Trends. Die CM-Methode ist für Einzelmessungen gedacht - sie ist zerstörend und aufwendig. Nutzen Sie sie nur, wenn Sie einen klaren Befund brauchen.