Aufsteigende Feuchte bekämpfen: So funktioniert die Horizontalsperre im Mauerwerk

Aufsteigende Feuchte bekämpfen: So funktioniert die Horizontalsperre im Mauerwerk
Bauen und Sanieren Lynn Roberts 16 Feb 2026 0 Kommentare

Warum Ihre Kellerwände feucht werden - und was dagegen hilft

Wenn die Wände im Keller feucht werden, der Putz abblättert und sich Schimmel bildet, liegt das oft nicht an einem undichten Dach oder einer kaputten Rohrleitung. Die wahre Ursache ist viel häufiger: aufsteigende Feuchte. Sie steigt aus dem Erdreich durch die Poren des Mauerwerks nach oben - wie Wasser in einem Küchentuch. Und sie erreicht Höhen von bis zu 1,5 Metern. In Häusern aus den 1950er- oder 1960er-Jahren, die keine Horizontalsperre haben, ist das fast immer der Fall. Die Folge? Schimmel, faulender Putz, gestiegene Heizkosten und ein ungesundes Raumklima.

Was ist eine Horizontalsperre - und wie stoppt sie die Feuchtigkeit?

Eine Horizontalsperre ist eine dichte Schicht im Mauerwerk, die das Wasser daran hindert, kapillar nach oben zu kriechen. Sie wird quer durch die Wand gesetzt, meist in der Höhe von etwa 30 Zentimetern über dem Erdreich. Früher wurden dafür Ziegel, Blech oder Bitumen eingesetzt. Heute ist das fast immer eine chemische Injektion. Das Material wird in Bohrlöcher gepresst, die in regelmäßigen Abständen durch die Wand gebohrt werden. Danach härtet es aus und bildet eine wasserundurchlässige Barriere. Es ist wie ein undurchdringlicher Film innerhalb der Ziegel- oder Steinstruktur.

Chemisch oder mechanisch - was ist die bessere Lösung?

Es gibt zwei Hauptmethoden, und beide haben ihre Vor- und Nachteile.

  • Chemische Horizontalsperre: Die gängigste Methode heute. Ein flüssiges Material - meist Silikonharz, Alkalisilikat oder Paraffin - wird mit speziellen Geräten in die Wand injiziert. Die Vorteile: relativ günstig (30-50 Euro pro laufendem Meter), wenig Lärm, keine großen Baustellen. Die Nachteile: nicht geeignet für Hohl- oder Natursteine. Und: bei stark versalzten Wänden kann es versagen. Salze stören die chemische Reaktion. Die Haltbarkeit liegt bei etwa 20 Jahren.
  • Mechanische Horizontalsperre: Hier wird die Wand mit einer Säge aufgeschnitten, und eine dichte Folie oder ein Metallband wird eingefügt. Das ist dauerhafter - bis zu 100 Jahre. Aber es ist teuer (80-120 Euro pro Meter), staubig, und erfordert eine große Baustelle. Nur bei extrem starken Schäden oder bei Natursteinmauern lohnt sich dieser Aufwand.

Die Mehrheit der Sanierungen in Deutschland erfolgt heute mit chemischen Methoden. Sie sind praktisch, schnell und für die meisten Fälle ausreichend - vorausgesetzt, die Wand ist nicht zu stark versalzt.

Ein Heimwerker mit falsch gebohrten Löchern neben einem Fachmann, der eine chemische Horizontalsperre präzise einbringt.

Wie wird eine chemische Horizontalsperre richtig installiert?

Ein falsch angebrachter Injektionsstrang ist nutzlos. Hier sind die entscheidenden Schritte:

  1. Bohrlöcher setzen: Die Bohrlöcher werden in Abständen von 10 bis 25 Zentimetern angebracht. Sie müssen mindestens zwei Drittel der Wanddicke durchdringen. Bei Wänden über 50 cm Dicke muss man von innen und außen bohren.
  2. Bohrwinkel: Die Löcher werden in einem Winkel von 30 bis 45 Grad nach oben gebohrt. So fließt das Material gleichmäßig in alle Richtungen.
  3. Reinigen: Vor der Injektion muss jedes Bohrloch mit Druckluft oder einem Starkstaubsauger gründlich gereinigt werden. Bohrstaub blockiert die Poren und verhindert, dass das Material eindringt.
  4. Befeuchten: Die Löcher werden kurz mit Wasser befeuchtet. Das hilft dem Injektionsmittel, besser in die Wand einzudringen.
  5. Injektion: Das Material wird unter leichtem Druck eingebracht. Es sollte sich gleichmäßig verteilen, ohne auszutreten. Bei extrem feuchten Wänden wird eine dritte Reihe von Löchern in der Mitte der Wand gesetzt.
  6. Trocknungszeit: Danach muss die Wand mindestens 7 Tage ruhen, bevor Putz aufgebracht werden darf. Die vollständige Trocknung des gesamten Mauerwerks kann jedoch bis zu 6 Monate dauern - je nach Feuchtigkeitsgrad und Wanddicke.

Ein häufiger Fehler: Menschen denken, nach 2 Wochen ist alles trocken. Falsch. Das Mauerwerk trocknet von innen nach außen. Bis die letzte Feuchtigkeit entwichen ist, vergeht oft mehr als ein halbes Jahr. Wer zu früh putzt, riskiert neue Schäden.

Was sagt die Praxis - Erfahrungen von Hausbesitzern

Im Heimwerker-Forum berichtet ein Nutzer namens „Mauermeister87“ von einem Erfolg: „Nach sechs Monaten ist die Wand im Haus aus den 1920ern komplett trocken. Kein Schimmel mehr.“ Ein anderer Nutzer, „Sanierungsneuling“, klagt: „Ich habe es selbst versucht - und nach acht Monaten immer noch feuchte Stellen.“

Die Ursache? Meistens die gleiche: falsche Bohrtiefe, unzureichende Reinigung, zu kurze Trocknungszeit. Studien zeigen: 45 Prozent der Selbstversuche scheitern, weil die Bohrlöcher nicht präzise gesetzt wurden. Experten wie Prof. Dr. Hans Weber von der TU München warnen: „DIY-Injektionen sind riskant. Die Messung der Wanddicke, die Winkelkontrolle, die Reinigung - das alles erfordert Erfahrung.“

Professionelle Betriebe arbeiten mit CE-geprüften Materialien und dokumentieren jede Bohrstelle. Nur so ist die Garantie auf die volle Wirksamkeit gegeben.

Wie viel kostet das - und wer zahlt?

Die Kosten variieren stark:

Verleich der Kosten für Horizontalsperren
Methode Kosten pro Meter Haltbarkeit Arbeitsaufwand
Chemische Injektion 30-50 € ca. 20 Jahre mittel
Mechanische Einlage 80-120 € 50-100 Jahre hoch
Selbstbau (Material) 15-25 € unzuverlässig sehr hoch

Bei einem Einfamilienhaus mit 80 Quadratmetern Kellerfläche liegen die Gesamtkosten für eine professionelle chemische Sperre zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Das klingt viel - aber es spart langfristig Heizkosten. Eine getrocknete Wand braucht bis zu 40 Prozent weniger Energie zum Beheizen, wie eine TU München-Studie aus 2021 zeigt.

Vergleich einer schadhaften Kellerwand mit einer nach Sanierung trockenen, energetisch effizienten Wand.

Neue Entwicklungen - was kommt als Nächstes?

Der Markt für Horizontalsperren wächst. Im Jahr 2022 belief sich das Volumen in Deutschland auf 287 Millionen Euro. Der Grund: mehr als 6 Millionen Wohngebäude haben keine oder eine defekte Sperre. Die Nachfrage steigt - besonders, weil die Energieeinsparverordnung jetzt auch Altbauten stärker unter Druck setzt.

Ein neues Produkt, das seit März 2023 auf dem Markt ist, heißt MEM TROCKENE WAND INJEKTIONSFLÜSSIGKEIT. Es soll eine dauerhafte Barriere in allen gängigen Mauerwerken bilden. Forscher arbeiten bereits an nanostrukturierten Silikaten, die 2024 erstmals getestet werden. Diese könnten eine Haltbarkeit von über 50 Jahren erreichen - und auch bei stark versalzenen Wänden funktionieren.

Dennoch: Die Grundregel bleibt. Chemische Sperren funktionieren gut - aber nur, wenn die Wand nicht zu stark mit Salzen belastet ist. Bei alten Kellern mit früheren Abwasserleitungen oder fehlender Drainage ist die mechanische Lösung immer noch die sicherste Wahl.

Was tun, wenn die Wand schon stark verschlechtert ist?

Wenn der Putz bereits abfällt, die Ziegel sich auflösen oder der Boden im Keller feucht bleibt, ist eine Horizontalsperre allein nicht genug. Dann braucht man:

  • Eine Entfeuchtung des Mauerwerks mit Trockenbau- oder Thermotrocknern
  • Eine neue Drainage am Fundament
  • Einen speziellen Sanierputz mit Salzblockierung

Ein Fachbetrieb prüft zuerst den Feuchtigkeitsgrad mit einem Feuchtemesser und analysiert die Salzbelastung. Nur so lässt sich entscheiden, ob eine Injektion reicht - oder ob ein kompletter Sanierungsplan nötig ist.

Was Sie jetzt tun sollten

Wenn Sie Verdacht auf aufsteigende Feuchte haben, prüfen Sie:

  • Steigt die Feuchtigkeit von unten nach oben? (Nicht von der Decke!)
  • Gibt es Salzaustritte (weiße Krusten) an der Wand?
  • Wurde das Haus vor 1970 gebaut?

Wenn die Antwort auf alle Fragen „ja“ lautet, dann ist eine Horizontalsperre sehr wahrscheinlich notwendig. Holen Sie sich ein Angebot von einem zertifizierten Fachbetrieb. Lassen Sie sich zeigen, welche Methode für Ihre Wand geeignet ist. Und vermeiden Sie DIY-Lösungen - vor allem bei Wänden über 40 cm Dicke.

Die Investition lohnt sich. Nicht nur wegen des Schimmels. Sondern auch, weil eine trockene Wand die Lebensdauer Ihres Hauses verlängert - und Ihre Heizkosten senkt. In vielen Fällen ist das die günstigste Sanierung, die Sie jemals machen werden.

Kann ich eine Horizontalsperre selbst einbringen?

Technisch möglich - aber riskant. 45 Prozent der Selbstversuche scheitern, weil Bohrlöcher falsch gesetzt, nicht gereinigt oder zu wenig Material eingebracht werden. Die Bohrtiefe, der Winkel und die Reinigung sind entscheidend. Nur mit professionellen Geräten und Erfahrung ist eine zuverlässige Abdichtung möglich. Für Anfänger ist es keine empfehlenswerte DIY-Aufgabe.

Wie lange dauert es, bis die Wand nach der Injektion trocken ist?

Die Injektionsflüssigkeit härtet innerhalb von 7 Tagen aus. Aber das Mauerwerk selbst trocknet viel langsamer. Je nach Feuchtigkeitsgrad und Wanddicke dauert die Trocknung zwischen 4 Wochen und 6 Monaten. In stark versalzenen oder dicken Wänden kann es sogar länger dauern. Putzen oder tapezieren dürfen Sie erst, wenn die Wand vollständig trocken ist - sonst entstehen neue Schäden.

Ist eine Horizontalsperre bei Natursteinmauern möglich?

Nein, chemische Injektionen funktionieren nicht bei Natursteinen oder Hohlsteinen. Die Porenstruktur ist zu ungleichmäßig - das Material kann nicht gleichmäßig verteilt werden. Hier ist nur eine mechanische Lösung zuverlässig: Die Wand wird mit einer Säge aufgeschnitten, und eine dichte Metall- oder Kunststofffolie wird eingebaut. Das ist teurer, aber die einzige sichere Methode.

Warum versagen chemische Horizontalsperren manchmal?

Hauptsächlich bei stark versalzenen Wänden. Salze wie Chlorid oder Nitrat stören die chemische Reaktion der Injektionsflüssigkeit. Sie verhindern, dass sich die Barriere vollständig bildet. Auch wenn die Wand zu dick ist oder die Bohrlöcher zu weit auseinander liegen, kann die Abdichtung unvollständig bleiben. Ein Fachmann prüft vorher die Salzbelastung mit einem Laboranalysegerät - das ist entscheidend.

Wie erkenne ich, ob meine Wand eine Horizontalsperre hat?

Bei Gebäuden nach 1970 ist eine Sperre meist vorhanden. Bei älteren Häusern nicht. Ein Hinweis: Wenn der Putz in etwa 30-50 cm Höhe feucht ist, aber darüber trocken bleibt, ist das ein klassisches Zeichen. Sie können auch einen Fachmann bitten, mit einem Feuchtemesser oder einer Endoskopkamera in die Wand zu schauen. Oder: Bohren Sie vorsichtig ein kleines Loch in die Wand - wenn es trocken ist, ist die Sperre wahrscheinlich da.

Kann ich eine Horizontalsperre auch im Erdgeschoss einbauen?

Ja - aber nur, wenn die Feuchtigkeit wirklich von unten kommt. Manchmal wird Feuchtigkeit von außen (z. B. durch fehlerhafte Fassadenabdichtung) mit aufsteigender Feuchte verwechselt. Prüfen Sie zuerst, ob es sich um kapillare Aufstiegsfeuchtigkeit handelt. Nur dann ist eine Horizontalsperre sinnvoll. Bei anderen Ursachen brauchen Sie eine andere Lösung - etwa eine Außenabdichtung.