Wäsche in der Wohnung zu trocknen ist im Winter oft die einzige praktische Lösung. Doch viele wissen nicht, wie man das macht, ohne Schimmel an den Wänden oder Fenstern zu riskieren. Jeder Wäschekorb voll nasser Kleidung gibt bis zu zwei Liter Wasser in die Luft ab. Das ist mehr als ein ganzer Eimer. Wenn diese Feuchtigkeit nicht richtig abgeführt wird, kondensiert sie an kalten Stellen - und Schimmelpilze finden ihren idealen Lebensraum.
Die Schleuder ist dein erster Verbündeter
Bevor du die Wäsche aufhängst, beginnt die Schimmelprävention schon in der Waschmaschine. Die höchstmögliche Schleuderdrehzahl ist entscheidend. Leifheit und das Umweltbundesamt empfehlen 1.400 bis 1.600 Umdrehungen pro Minute. Je mehr Wasser rausgespült wird, desto weniger Feuchtigkeit bleibt in der Kleidung. Bei Jeans, Handtüchern oder Bettwäsche kannst du die volle Leistung nutzen. Bei empfindlicheren Stoffen wie Hemden oder Blusen solltest du auf die Pflegeetiketten achten - aber auch hier: Nutze die höchste verträgliche Drehzahl. Ein praktischer Trick: Nach dem Waschgang das nasse Kleidungsstück in ein trockenes Handtuch wickeln, fest drücken und fünf Minuten warten. Das saugt bis zu 30 % mehr Feuchtigkeit ab als nur abtropfen lassen.Wo du die Wäsche aufhängst, zählt mehr als du denkst
Nicht jeder Raum eignet sich gleich gut. Ein unbeheizter Keller? Falsch. Ein kaltes Schlafzimmer? Auch nicht. Die beste Wahl ist ein beheizter Raum mit etwa 20 °C. Warme Luft kann viel mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Bei Temperaturen unter 10 °C hält die Luft kaum noch Wasser - das Wasser aus der Wäsche landet dann einfach an Wänden und Fenstern. Ein beheiztes, gefliestes Badezimmer ist oft ideal, solange du es danach richtig lüftest. Vermeide es, die Wäsche direkt über der Heizung aufzuhängen. Das heizt die Luft nur lokal auf, ohne sie richtig zu zirkulieren. Stattdessen: Den Wäscheständer in die Mitte des Raumes stellen, nicht an der Wand.Lüften - aber richtig
Das ist der wichtigste Punkt. Nicht ständig das Fenster gekippt lassen. Das bringt wenig. Du brauchst Stoßlüften. Alle 60 Minuten das Fenster komplett aufmachen - mindestens fünf, besser zehn Minuten. Das Umweltbundesamt und die Neues Wohnen Genossenschaft bestätigen: Auch bei nassem, kaltem Wetter draußen lohnt sich das. Warum? Weil kalte Luft von außen viel weniger Feuchtigkeit enthält als die warme, feuchte Luft in deiner Wohnung. Wenn du zwei Fenster in gegenüberliegenden Räumen öffnest, entsteht ein Durchzug. Die Feuchtigkeit wird schneller nach draußen gespült. Ein Tipp: Lüfte nicht nur im Trockenraum, sondern auch in angrenzenden Räumen. So wird die Luft schneller ausgetauscht.
Luftfeuchtigkeit im Blick halten
Schimmel beginnt, wenn die Luftfeuchtigkeit über 60 % steigt. Das ist kein Gerücht, das sagt das ZDF Heute und das Umweltbundesamt. Ein einfaches Hygrometer kostet weniger als 15 Euro und zeigt dir genau, wie feucht es in deinem Raum ist. Wenn du es nicht hast: Beobachte die Fensterscheiben. Wenn sie beschlagen, ist es zu feucht. Wenn du merkst, dass die Luftfeuchtigkeit nach dem Wäschetrocknen über 60 % klettert, dann ist es Zeit, die Wäsche auf mehrere Räume zu verteilen. Einige Experten wie Ökotest sagen sogar: Wenn deine Wohnung ohnehin sehr trocken ist (unter 40 %), kannst du bedenkenlos drinnen trocknen - solange du lüftest.Aufhängen wie ein Profi
Es reicht nicht, die Wäsche einfach auf den Ständer zu werfen. Die Luft muss zwischen den Stücken zirkulieren. Keine Berührung zwischen Kleidungsstücken. Jedes Teil braucht Platz. Leifheit empfiehlt, Textilien vor dem Aufhängen kräftig auszuschlagen - das lockert die Fasern und ermöglicht eine schnellere Verdunstung. Schwere Kleidung wie Pullover oder Jacken solltest du auf links drehen. So trocknen sie gleichmäßiger und verlieren weniger Form. Ein Wäscheständer, der vollgestopft ist, wird zum Schimmelherd. Besser: Zwei kleinere Ständer nutzen als einen großen, der überquillt.
Verteilen statt konzentrieren
In kleinen Wohnungen ist es besonders schwer, alles in einem Raum zu trocknen. Aber du hast eine einfache Lösung: Verwende mehrere Wäscheständer. Ein in der Küche, einer im Wohnzimmer, vielleicht einer im Flur, wenn er beheizt ist. So verteilst du die Feuchtigkeit. Ein Liter Wasser in drei Räumen ist viel weniger riskant als drei Liter in einem. Perwoll und die Neues Wohnen Genossenschaft empfehlen diese Methode besonders für Mieter mit begrenztem Platz. Du brauchst nicht teure Geräte - einfache Klappständer reichen völlig aus.Heizen? Nur mit Maß
Viele denken: Je wärmer, desto besser. Falsch. Wenn du die Heizung voll aufdrehst, um die Wäsche schneller trocknen zu lassen, verbrauchst du unnötig Energie. Außerdem entsteht Verdunstungskälte: Wenn Wasser verdunstet, kühlt es die Luft um sich herum ab. Das heißt: Deine Heizung läuft auf Hochtouren, aber die Luft im Raum bleibt kalt. Das ist ineffizient und teuer. Stattdessen: Halte die Temperatur bei etwa 20 °C. Lüfte regelmäßig. Und vertraue auf die Luftzirkulation - nicht auf die Heizung. Ökotest warnt ausdrücklich: Den Raum nur zum Wäschetrocknen zu heizen, ist ökologisch und finanziell unsinnig.Was du unbedingt vermeiden solltest
- Nicht in unbeheizten Räumen trocknen - das ist ein Schimmel-Paradies.
- Nicht über Nacht mit geschlossenem Fenster trocknen - die Feuchtigkeit bleibt in der Luft.
- Nicht die Wäsche direkt an kalten Außenwänden aufhängen - dort kondensiert sie am leichtesten.
- Nicht den Wäscheständer in eine Ecke stellen - Luftzirkulation stirbt dort.
- Nicht auf elektrische Trockner setzen, wenn du nicht lüften kannst - sie verbrauchen viel Strom und heizen die Luft nur lokal auf.
Es gibt keinen perfekten Weg - aber einen sehr guten. Wenn du die fünf einfachen Regeln befolgst - hohe Schleuderdrehzahl, 20 °C, Stoßlüften alle Stunde, Luftfeuchtigkeit unter 60 %, genügend Abstand zwischen den Kleidungsstücken - dann kannst du deine Wäsche sicher und ohne Schimmel trocknen. Und du sparst Geld, Energie und Ärger.
Kann ich Wäsche im Badezimmer trocknen, ohne Schimmel zu riskieren?
Ja, aber nur, wenn das Badezimmer beheizt ist und du danach richtig lüftest. Fliesenwände nehmen weniger Feuchtigkeit auf als Putzwände. Öffne das Fenster mindestens fünf Minuten nach dem Trocknen - auch wenn es kalt ist. Vermeide es, die Wäsche direkt über der Badewanne oder Dusche aufzuhängen, da dort die Luft am feuchtesten ist.
Wie oft muss ich lüften, wenn ich Wäsche trockne?
Jede Stunde für fünf bis zehn Minuten komplett lüften. Das ist die Goldregel. Wenn du mehrere Räume nutzt, kannst du die Intervalle auf 90 Minuten ausdehnen. Wichtig: Lüfte nicht nur kurz das Fenster gekippt, sondern stoßweise mit vollem Durchzug. So wird die Feuchtigkeit wirklich rausgeblasen, nicht nur vermischt.
Ist ein Luftentfeuchter sinnvoll?
Ein Luftentfeuchter kann helfen, ist aber nicht nötig, wenn du richtig lüftest. Er verbraucht Strom und kostet Geld. Wenn du deine Wohnung gut isoliert hast und regelmäßig lüftest, brauchst du keinen. Nur in sehr feuchten Altbauten oder wenn du keine Möglichkeit zum Lüften hast, ist er eine sinnvolle Ergänzung - aber keine Ersatzlösung für frische Luft.
Warum soll ich die Wäsche nicht auf links drehen?
Das solltest du nicht - du sollst sie auf links drehen. Besonders bei dickem Stoff wie Pullovern oder Jacken. So trocknet die Innenseite gleichmäßig, und das äußere Gewebe verliert nicht so schnell seine Form. Außerdem verhindert es, dass sich Schmutz oder Farbe an der Außenseite absetzt, wenn die Wäsche an der Luft trocknet.
Wie erkenne ich, ob Schimmel bereits entstanden ist?
Schimmel zeigt sich als schwarze, grüne oder graue Flecken, oft an Ecken, hinter Möbeln oder an Fensterrahmen. Du kannst ihn mit einem Tropfen Wasser abwischen - wenn er sich nicht löst, ist es Schimmel. Wenn du einen modrigen Geruch wahrnimmst, besonders nach dem Trocknen von Wäsche, ist das ein Warnsignal. Dann solltest du sofort lüften, die Luftfeuchtigkeit messen und den Trocknort überprüfen.