Wenn du ein altes Haus modernisierst, stehst du vor einer zentralen Frage: Wie baust du neue Wände, ohne die Nachbarn zu stören, die Brandschutzvorschriften zu ignorieren oder später die Decke zu hören? Trockenbau ist die Antwort - aber nur, wenn du ihn richtig machst. Viele denken, Trockenbau ist einfach: Platten an die Wand, fertig. Doch in Bestandsgebäuden ist das eine Falle. Die Wände werden hellhörig, der Brandschutz ist unzureichend, und am Ende zahlt man doppelt - für die Nachbesserung.
Warum Trockenbau im Bestand? Geschwindigkeit, Sauberkeit, Flexibilität
Im Gegensatz zu massiven Mauerwerken, die Wochen brauchen, um zu trocknen und jede Menge Schmutz hinterlassen, ist Trockenbau schnell. Eine Wand aus Gipskartonplatten und Metallprofilen lässt sich in einem Tag montieren. Kein Zementstaub, kein nasser Putz, keine langen Wartezeiten. Das ist besonders in Wohnungen oder Mietobjekten ein Vorteil: Die Mieter können schneller zurück, die Baustelle bleibt sauber, und du sparst Zeit und Geld.
Doch das ist nur die Oberfläche. Der echte Nutzen liegt in der Flexibilität. Du kannst Kabelkanäle, Heizungsleitungen oder Lüftungsrohre einfach hinter die Wand verlegen. Später, wenn du die Raumaufteilung ändern willst, kannst du die Wände ohne große Zerstörung versetzen. Das geht mit Massivwand nicht. In Altbauten mit ungleichmäßigen Wänden oder schiefen Ecken ist Trockenbau sogar die einzige praktische Lösung - er gleicht Unebenheiten aus, ohne dass du die ganze Wand abbrichst.
Schallschutz: Das ist nicht einfach nur dicke Platten
Ein häufiger Fehler: Man nimmt Standard-Gipskartonplatten und glaubt, das reicht für Schallschutz. Falsch. Eine einfache Trockenbauwand mit einer Lage Platte und Luftzwischenraum bringt nur 35-40 dB. In einem Mehrfamilienhaus ist das zu wenig. Die Norm DIN 4109:2023-01 fordert für Wohneinheiten mindestens 55 dB. Ohne gezielte Maßnahmen wirst du diese Werte nie erreichen.
Die Lösung ist das Feder-Masse-Prinzip. Stell dir vor: Eine schwere Platte (Masse) hängt an einem elastischen Träger (Feder). Schallwellen treffen auf die Platte, aber die Feder dämpft die Vibrationen - der Schall bleibt fast vollständig auf der einen Seite. Moderne Systeme nutzen genau das. Knauf Silentboard oder Rigips 'Die Blaue' sind spezielle Schallschutzplatten mit erhöhter Dichte. Sie werden doppelt oder dreifach beplankt, mit versetzten Fugen und vollständig verspachtelt. Das bedeutet: Die Fugen der ersten Lage werden nicht über die Fugen der zweiten Lage gelegt. So entsteht ein langer, unterbrochener Schallweg.
Der Hohlraum zwischen der Massivwand und der Trockenbauwand muss vollständig mit schallabsorbierendem Material gefüllt sein. Mineralwolle mit einer Rohdichte von mindestens 30 kg/m³ oder Holzfaser-Dämmplatten sind ideal. Kein Luftloch, kein Hohlraum. Selbst ein kleiner Spalt kann den Schallschutz um bis zu 15 dB reduzieren. Experten wie Dr. Markus Schmid von Knauf bestätigen: „Der entscheidende Faktor ist nicht die Plattendicke, sondern die Entkopplung.“
Brandschutz: Nicht nur eine Frage der Platte
Brandschutz wird oft nachgeholt - und das ist gefährlich. In der deutschen Bauordnung gelten für nichttragende Innenwände die Normen DIN 4102 und DIN EN 13501. Du brauchst mindestens die Feuerwiderstandsklasse F30, also 30 Minuten Feuerbeständigkeit. Das geht mit speziellen Brandschutzplatten. Knauf Diamant, Rigips Fireline oder Siniat Gipsplatte LaSound enthalten Glasfasern und andere Zusätze, die die Platte bei Hitze nicht sofort abbrennen lassen.
Aber auch hier gilt: Die Platte allein reicht nicht. Du brauchst eine vollständige Konstruktion. Die Profile müssen aus verzinktem Stahl sein, die Schrauben müssen speziell für Brandschutz zugelassen sein, und die Fugen müssen mit feuerhemmendem Dichtungsmasse versiegelt werden. Ein einziger unverspachtelter Spalt kann die Feuerbeständigkeit von 30 Minuten auf unter 5 Minuten reduzieren. In Mehrfamilienhäusern, wo Fluchtwege entscheidend sind, ist das lebenswichtig.
Einige Systeme wie das von Siniat entwickelte LaSound+ bieten sogar F90-A bei gleichzeitigem Schallschutz von bis zu 70 dB. Das ist der aktuelle High-End-Standard - besonders sinnvoll in Gebäuden mit Aufzugsschächten, Treppenhäusern oder Wohnungen über Gewerberäumen.
Die drei goldenen Regeln für perfekten Trockenbau
Es gibt drei Prinzipien, die du nie ignorieren darfst - sonst kostet es dich später tausende Euro.
- Schallweg verlängern: Mindestens zwei Lagen Platten, versetzt montiert. Die Fugen der oberen Lage liegen nicht über den Fugen der unteren. Das verhindert, dass Schall einfach durch die Öffnungen „durchschallt“.
- Schallweg unterbrechen: Die Trockenbauwand darf nicht mit der Massivwand verbunden sein. Nutze elastische Dichtungen, Schalldämmprofile oder spezielle Entkopplungselemente. Sonst wird die ganze Wand zum Schallleiter.
- Schallweitergabe eindämmen: Nutze Platten mit hoher Dichte. Standard-Gipskarton (12,5 mm) reicht nicht. Wähle Silentboard, Die Blaue oder vergleichbare Schallschutzplatten. Die Dichte liegt bei über 1000 kg/m³ - fast doppelt so hoch wie bei normalen Platten.
Und vergiss nie: Die Verspachtelung ist genauso wichtig wie die Montage. Die Fugen müssen vollständig, luftdicht und ohne Lücken verspachtelt werden - auch die untere Lage, die später nicht sichtbar ist. Ein Baumeister aus München berichtete auf Bauexperten.de, dass seine Messwerte bei 58 dB lagen - nur weil er alle Fugen gründlich verschloss. Ein anderer hatte 42 dB - weil er die untere Lage vernachlässigt hatte. Die Nachbesserung kostete 30 % mehr als die Erstmontage.
Was kostet das? Preis und Marktsituation 2025
Ein einfacher Trockenbau mit Standardplatten kostet etwa 35-45 € pro Quadratmeter. Mit Schallschutz und Brandschutz steigt der Preis auf 70-110 €/m². Klingt viel? Vergleich das mit dem Umbau einer Massivwand: 120-180 €/m², plus 2-3 Wochen Bauzeit. Trockenbau ist die wirtschaftlichere Wahl - wenn du es richtig machst.
Der Markt wächst. Laut Marktforschungsstudien steigt die Nachfrage nach Trockenbau im Bestand jährlich um 4,2 %. 78 % der Handwerksbetriebe setzen ihn bei Renovierungen ein. Die drei Marktführer sind Knauf (42 %), Rigips (35 %) und Siniat (12 %). Knauf Brio dB, eine neue Schüttung, und die aktualisierte Version von Rigips 'Die Blaue' mit 15 % besserer Dämmung zeigen: Die Technik entwickelt sich weiter. Ab 2024 gilt die neue DIN 4109:2023-01 - und die ist strenger. Wer jetzt nicht auf aktuelle Systeme setzt, läuft Gefahr, nicht mehr genehmigt zu werden.
Was du nicht tun solltest
Vermeide diese drei Fehler - sie sind die häufigsten Ursachen für Schallschutzversagen:
- Keine Entkopplung: Die Wand direkt an die Massivwand schrauben? Das ist wie ein Trommelstock auf einem Holzblock - der Schall geht direkt durch.
- Luftlöcher im Dämmstoff: Wenn du die Dämmung nur halb füllst, entsteht ein Resonanzraum. Der Schall wird nicht gedämpft - er wird verstärkt.
- Standardplatten nutzen: Eine 12,5-mm-Platte ist kein Schallschutz. Du brauchst spezielle Platten mit erhöhter Dichte.
Und: Lass es nicht von jemandem machen, der nur mal eine Wand gebaut hat. Schallschutz-Trockenbau ist ein Spezialgebiet. Erfahrene Handwerker brauchen 6-12 Monate, um die Feinheiten zu lernen. Frag nach Referenzen. Sieh dir eine bereits gebaute Wand an. Frag nach Messwerten. Wer keine Zahlen nennen kann, hat nicht die nötige Expertise.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft des Trockenbaus im Bestand ist integriert. Systeme, die Schallschutz, Brandschutz und Dämmung in einer Konstruktion vereinen, werden Standard. Die neuen Platten sind dünner, aber leistungsfähiger. Die Montage wird digital unterstützt - mit Apps, die die Fugenverspachtelung überprüfen oder die Entkopplung mit Sensoren messen.
Wenn du jetzt modernisierst, wähle nicht das billigste Angebot. Wähle das System, das den Anforderungen der neuen Norm entspricht. Du investierst nicht nur in Wände - du investierst in deine Ruhe, deine Sicherheit und den Wert deiner Immobilie. Ein guter Trockenbau hält 50 Jahre. Ein schlechter kostet dich mehr als nur Geld - er kostet deine Ruhe.
Kann ich mit Trockenbau eine tragende Wand ersetzen?
Nein. Trockenbau ist nur für nichttragende Innenwände geeignet. Tragende Wände müssen aus massivem Mauerwerk, Beton oder Stahl bestehen. Trockenbau kann keine Lasten aus der Decke oder dem Dach tragen. Wenn du eine Wand entfernen willst, die als tragend gilt, musst du einen Statiker hinzuziehen und eine neue tragende Konstruktion einbauen - meist aus Stahlträgern oder Beton.
Wie lange hält eine Trockenbauwand mit Schallschutz?
Eine richtig montierte Trockenbauwand mit Schallschutz und Brandschutz hält ebenso lange wie eine Massivwand - mindestens 50 Jahre. Die Materialien wie Gipskarton, Mineralwolle und Metallprofile sind langlebig und verrotten nicht. Der entscheidende Faktor ist die korrekte Ausführung. Wenn die Fugen nicht verspachtelt sind oder die Entkopplung fehlt, kann sich die Wand im Laufe der Zeit lösen oder schalltechnisch versagen. Regelmäßige Kontrolle der Fugen und bei Feuchtigkeitsschäden sofortige Reparatur verlängern die Lebensdauer.
Was kostet eine Schallschutz-Messung nach der Montage?
Eine professionelle Schallschutz-Messung kostet zwischen 300 und 800 €, je nach Größe der Fläche und Komplexität der Konstruktion. In Mietobjekten oder Mehrfamilienhäusern ist sie oft verpflichtend, um die Norm DIN 4109 nachzuweisen. Einige Handwerker bieten die Messung als Service an - frag vorab danach. Eine Messung verhindert teure Nachbesserungen und gibt dir Sicherheit, dass du die Anforderungen erfüllst.
Ist Trockenbau auch für Badezimmer geeignet?
Ja - aber nur mit speziellen Feuchtraumplatten. Normale Gipskartonplatten nehmen Feuchtigkeit auf und verformen sich. Für Badezimmer, Küchen oder Waschräume verwende wasserabweisende Platten wie Knauf AquaBoard, Rigips Feuchtraumplatte oder Siniat Hydroboard. Diese sind mit einer wasserfesten Beschichtung versehen und können auch mit Fliesen belegt werden. Der Schallschutz bleibt erhalten, wenn du die gleichen Prinzipien wie bei trockenen Räumen anwendest: Entkopplung, Dämmung, doppelte Beplankung.
Welche Normen gelten aktuell für Schallschutz und Brandschutz?
Für Schallschutz gilt die DIN 4109:2023-01, die seit Januar 2024 verbindlich ist. Sie fordert mindestens R’W ≥ 55 dB für Wohneinheiten. Für Brandschutz gelten DIN 4102-4 und DIN EN 13501-1. Nichttragende Wände müssen mindestens Feuerwiderstandsklasse F30 erreichen. Die Platten und Systeme müssen mit einem Prüfzeugnis nachgewiesen werden - das gibt dir die Sicherheit, dass sie die Norm erfüllen. Frag deinen Handwerker immer nach dem entsprechenden Zertifikat.
Kommentare
Alex Byrne Dezember 14, 2025
lol ich hab neulich ne wand mit normalen gipskartonplatten gebaut und jetzt höre ich jeden arschloch aus der wochnung nebenan husten... und die bauaufsicht? die sagt: "na und?"... irgendwie glaub ich, die normen gibts nur für die, die geld haben. wer arm ist, kriegt halt die schallwand aus luft und träumt von ruhe... 🤡
Maggie Knowles Dezember 15, 2025
ah ja, die berühmte "ich hab mal nen keller renoviert"-mann, der plötzlich der schallschutz-guru ist... 😏
aber ernsthaft: wer die fugen nicht verspachtelt, kriegt nicht nur nen lauten nachbarn, sondern auch nen arschvoll von der baubehörde. ich hab vor 2 jahren ne wand mit 68 dB gemacht - mit silentboard, mineralwolle, und *ganz wichtig*... 3 stunden verspachteln, bis es glatt war wie ein babybutt. jetzt sitz ich in ruhe, während die anderen ihre wände abbauen. #wirhabenkeinproblemmitdemnachbarn #diesistkeinwitz
Johanna Jensen Dezember 16, 2025
Exakt. Entkopplung. Nicht vergessen. Punkt.
Und: Fugen. Immer. Auch die untere Lage. Auch wenn sie niemand sieht.
Und: Keine Luftlöcher. Keine. Keine.
Das ist kein Handwerk. Das ist Meditation mit Gipskarton.
Und wenn du das nicht machst? Dann zahlt dein Nachbar später für deine Faulheit. Und du? Du hörst ihn weinen. Und du hörst ihn schlafen. Und du hörst ihn atmen. Und du wirst verrückt.
Bitte. Mach es richtig.